Die Teilzeitoptimistin

27 Februar, 2009

Mitarbeitergespräch 2009

Gespeichert unter: Alltag einer Tippse — Frau X @ 6:50

Einmal im Jahr haben wir ein Mitarbeitergespräch – also eigentlich ist es ja eine Art Zielfindungsgespräch, bei dem Ziele für das kommende Jahr festgelegt und Stärken wie Schwächen besprochen werden.
Eigentlich ja eine gute Idee, wenn man nicht manchmal mit dem Gefühl da rausgehen würde, dass es pure Zeitverschwendung war.

Ich meine, man kann seine Einschätzung und auch seine Meinung einbringen – aber viel ändert das meistens nicht, sieht man davon ab, dass man Seminare oder Kurse besuchen muss.
Aber diesmal war es anders…

Normalerweise werden 1,5 Stunden eingeplant, in denen unsere Chefin sich wirklich Zeit nimmt, und auch das Telefon abgibt, um sich ganz dem Gespräch widmen zu können.
Mein Gespräch hat heute gute 3 Stunden gedauert.
3 Stunden, die allerdings so rasch verflogen sind, dass sie mir mir ein paar Minuten vorkamen. Meine Chefin war dankbar für mein Feedback – auch wenn es viel negative Beobachtungen enthielt, und sie hat sich auch einige Notizen gemacht.
Besonders dankbar war ich ihr, dass sie Lob für mich übrig hatte – auch wenn man sich mit Worten nichts kaufen kann… Manchmal tut es einfach unheimlich gut, wenn man merkt, dass man mit seinen Zweifeln nicht alleine dasteht, und dass jemand da ist, der die Stärken aufzählen kann, die man selbst vielleicht gar nicht so wahrnimmt.

So lobte sie meine Einsatzbereitschaft und Einsatzfreude – es sei nicht selbstverständlich, dass jemand ein schlechtes Gewissen hat, wenn er einmal im Jahr krank wäre, und sogar wenn er sich unwohl fühlt zumindest versucht seine Leistung zu erbringen.

Mein freundliches und offenes Wesen soll ich mir behalten – denn meine Chefin sieht, dass ich mit meiner Art eine wichtige Aufgabe innerhalb des Teams übernommen habe. Eine Aufgabe, der ich mir gar nicht bewußt war – die sie aber hervorheben wollte.
Ich stecke die anderen mit meiner Art an. Bin ich gut drauf, hebt sich auch die Laune im Team schlagartig – wenn ich grummelig bin, dann wirkt sich das auf die anderen ebenso aus. (Und dazu muss ich nicht etwa zu den Kolleginnen gehen, um mich auszuweinen… das geht von ganz alleine).
Ich heitere die anderen (und auch meine Chefin) auf, wenn der Streß zu stark wird – intuitiv fühle ich wie es den anderen geht und versende dann aufmunternde E-Mails mit einem netten Bild. Aber eben mit Maß und Ziel. Das kommt gut an. Ich bin es, die dafür sorgt, dass die anderen den Mut nicht verlieren, wenn die Arbeit immer mehr wird. Irgendwie halte ich das Team zusammen, und verbreite ein „Strahlen“. Das weiß auch der Vorstand.
Das war mir nicht bewußt – aber ich fand die Einschätzung sehr schön.

Und ich werde mich ab sofort neuen Herausforderungen stellen müssen.
Meine Kollegin wird aufsteigen – und ich soll ihren Platz einnehmen. Nein, das stimmt nicht. Ich muss ihre Nachfolge antreten – und es ist ein schweres Erbe, dessen ist sich meine Chefin bewußt. Aber sie ist sich sicher, dass ich meinen eigenen Weg finden werde und dass ich mich behaupten kann.
Bald werde ich eine Schreibkraft haben, die ich koordinieren muss – die mich unterstützt, aber auch auf meine Planung vertrauen muss.
Meine Kollegin war und ist das Herz der Abteilung – der analytische Verstand. Ich aber bin die Seele und wenn ich manchmal chaotisch bin… ich werde das meistern (müssen/können).

Und es fängt bereits am kommenden Montag an – da muss ich erstmals Tätigkeiten von meiner Kollegin übernehmen, die mich bisher nur am Rand betroffen haben.

Ich bin aufgeregt, neugierig aber auch ein wenig ängstlich was die Zukunft angeht.

Aber das Gespräch war toll – sehr offen und ehrlich.
Und ich kann sagen, dass ich manche Dinge nun besser verstehe.

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